Interview mit Christian Trapp

Neue Wege bei Azubi-Begrüßung

Der 1. September war der Stichtag: Rund 500 junge Menschen haben in den Industrieparks in Frankfurt-Höchst und in Wiesbaden ihre Ausbildung begonnen. Wie immer wurden sie auch von der IG BCE begrüßt; dieses Mal sogar auf ganz besondere Weise, wie der Gewerkschaftssekretär Christian Trapp im Interview erzählt. Er bedauert, dass das Wissen rund ums Thema Gewerkschaft bei den Berufsanfängern eher gering ist. Dies sollte Teil des Schulunterrichts werden, fordert der Fachmann.

Was lief denn bei der Begrüßung der diesjährigen Azubis trotz der Corona-Pandemie wie immer?
Trapp: Die Bezirksjugend hat sie am ersten Ausbildungstag bei Provadis begrüßt und als kleines Geschenk jeweils einen mit allerlei Inhalt gepackten Sportbeutel verteilt. Darin waren etwa Müsliriegel, ein Getränk, Kugelschreiber und – das ist natürlich neu – eine Mundschutzmaske. Anders war auch, dass es nicht nur eine Begrüßung gab, sondern wegen der Abstandsregeln mehrere. Morgens um acht Uhr war die erste Gruppe dran, die weiteren folgten nach jeweils einer Stunde.

Was als Neuigkeit sofort ins Auge fällt, sind die großen Plakate der IG BCE an den Industrieparks, mit denen die Azubis willkommen geheißen werden…
Ja, das ist eine Premiere, und zwar auch vor dem Hintergrund von Corona. Wir wussten ja nicht, wie sich die Lage entwickelt und ob wir die Azubis überhaupt werden persönlich begrüßen können. Aber wir wollten auf jeden Fall Präsenz zeigen, das ist uns extrem wichtig. Deshalb haben wir in Frankfurt in der Nähe von Provadis mehrere große Plakatwände angemietet, in Wiesbaden sind entsprechende Banner an Bauzäunen angebracht. Auf den Plakaten steht zum Beispiel: „1001 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Läuft mit uns. Chemiegewerkschaft!“ Wir wollen die Azubis darauf aufmerksam machen, wem sie es zu verdanken haben, dass sie bereits zu Beginn ihres Berufslebens so viel Geld verdienen.

IG BCE Rhein-Main

Christian Trapp, der für die Jugend zuständige Gewerkschaftssekretär im Bezirk Rhein-Main Christian Trapp, der für die Jugend zuständige Gewerkschaftssekretär im Bezirk Rhein-Main

Sucht Ihr auch noch das persönliche Gespräch mit den jungen Leuten?
Unsere Bezirksjugend startet eine Woche nach Ausbildungsbeginn bei Provadis mit einem Infostand, außerdem laden wir bei Provadis und in unserem Büro in Wiesbaden zu Gesprächen ein – zum Teil sind das Gruppentermine. Da erklären wir etwa, wofür ein Betriebsrat zuständig ist, wie wir als Gewerkschaft arbeiten und was die Aufgaben der Jugendvertretung ist.

Kennen sich die Azubis in Sachen Gewerkschaft in der Regel schon gut aus oder ist das eher Neuland für sie?
Auf jeden Fall Neuland. Die allermeisten haben von vielen Begriffen noch nie etwas gehört. Leider. Das ist eben kein Teil des Schulunterrichts, was ich überhaupt nicht verstehe und was sich auch ändern sollte. So etwas ist doch elementar. Es ist nun mal nicht selbstverständlich, dass man all diese Vorteile erhält, die in einem Tarifvertrag festgelegt sind. Dafür braucht es die Gewerkschaft. Das ist den jungen Leuten allerdings gut zu vermitteln. Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele bei uns Mitglied werden.


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