Portrait: Clariant-BetriebsratHermann Stoelzel

Gesellig, grantig und mit besonderer Gabe

Er gilt als das „Urgestein“ im Betriebsrat der Clariant: Hermann Stoelzel. Seit fast 20 Jahren ist er dort Mitglied, mittlerweile hat der stets bestens informierte Mann die jungen Kollegen unter seine Fittiche genommen.

An eine Zeit ohne Hermann Stoelzel können sich bei der Clariant nur wenige schwach erinnern. Vor 18 Jahren wurde er zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt, davor hatte sich der gelernte Chemikant schon viele Jahre als Vertrauensmann für seine Kollegen eingesetzt. „Ich glaube, die meisten unterschätzen ihn, wenn sie ihn das erste Mal treffen. Aber jeder, der mit ihm zusammenarbeitet, weiß, dass er ein super Typ ist“, sagt sein Kollege und Freund Kai-Uwe Hemmerich und zählt auf: „Er hält sich an Absprachen, hat viel Lebenserfahrung, ist gesellig. Er vergisst nichts. Er hat eine Gabe, so grantig mit Personalchefs umzugehen, dass diese das sogar als nett empfinden. Und er ist einer der wenigen, die Weizenbier aus der Dose trinken.“

Während der Betriebsratsvorsitzende der Colorants Solutions so richtig ins Plaudern kommt, wenn er nach Hermann Stoelzel gefragt wird, äußert sich dieser über sich selbst nur zurückhaltend. Das Betriebsrats-Mitglied erzählt seinen Werdegang in kurzen, sachlichen Sätzen: 1974 in die Hoechst AG eingetreten, Lehre als Chemikant,  seit den 1990er Jahren aus Überzeugung Mitglied in der Gewerkschaft, 1997 Wechsel zur Clariant, 2002 Meisterprüfung. Auf Nachfragen verrät er ein bisschen was Privates. Zum Beispiel, dass er aus dem Ruhrpott kommt und 1963 mit seinen Eltern nach Frankfurt gezogen ist. Sein Vater fing damals als Chemiker bei der Hoechst AG an. Mitten in Frankfurt lebt der 62-Jährige heute noch. Seit 28 Jahren ist er verheiratet, er hat einen Sohn und zwei Enkelkinder. „Sport mag ich“, antwortet er auf die Frage nach seinen Hobbys und ergänzt: „Aber nur von der Couch aus.“

Doch für seine Lieblingsfußballmannschaft – als Frankfurter ist das natürlich die Eintracht – verlässt er die heimatliche Couch und geht ins Stadion, auch zu Auswärtsspielen. So etwa zum Pokalfinale in Berlin vor zwei Jahren, mit dabei waren seine Kollegen vom Betriebsrat. In jüngeren Jahren ist er noch selbst dem Ball hinterher gejagt, allerdings beim Handball. Heute ist er Mitglied in einem Kegelverein und schiebt dort – wie auch sonst in seinem Leben – alles andere als eine ruhige Kugel.

So sitzt er neben seiner Arbeit als Betriebsrat auch im Verwaltungsrat der Agentur für Arbeit, zudem arbeitet er als ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht und beim Landesarbeitsgericht. Nicht nur deshalb ist er über das aktuelle Geschehen immer bestens informiert – davon profitieren nun auch die neuen Mitglieder des Betriebsrats der Colorants Solutions. „Er hat sie unter seine Fittiche genommen, das funktioniert super“, sagt Kai-Uwe Hemmerich.

Seine Arbeit im Betriebsrat macht Stoelzel auch nach fast 20 Jahren immer noch Spaß – außer beim Thema Arbeitsplatzabbau. So etwas bekümmert ihn, er sieht die Einzelschicksale und auch die Familie hinter jedem, der seinen Job verliert. Doch er ist Betriebsrat aus Überzeugung; ihm gefällt sein Einsatz für andere Menschen, die Flexibilität und Abwechslung, die ihm die Arbeit bietet. Doch werden Betriebsräte vielleicht generell unterschätzt? Auf diese Frage überlegt er kurz und antwortet: „Sie werden unterschätzt, wenn alles glatt läuft. Aber wenn es schlecht läuft, wird nach ihnen gerufen – und dann sieht man, wofür sie gut sind.“

 

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