IG BCE-MehrWerte

Mitgliedsbeiträge - solidarisch investieren

Interessenvertretung durch eine Gewerkschaft bedeutet nicht, dass man seine Arbeit nicht mag, ein/-e Bremser/-in ist, oder sich beruflich nicht entwickeln will. Es bedeutet, in gute Arbeit mit Perspektive zu investieren, in ein gutes Leben und eine erfolgreiche und zukunftsfähige Industrie. Ein Gespräch mit Matthias Jahn darüber, welchen Anteil man dafür investiert.

 

IG BCE Rhein-Main

Matthias Jahn, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei InfraServ im Industriepark Höchst Matthias Jahn, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei InfraServ im Industriepark Höchst

„Die Mitgliedsbeiträge sind ein Reizthema, für 90 % der Leute. Der Beitrag ist aber nicht hoch, wenn man mal überlegt, was wir jetzt für eine Tariferhöhung hatten. Das ist ein schlechter Scherz!“ Matthias Jahn spricht häufig mit Interessierten über eine Mitgliedschaft in der IG BCE. Gerade bei den Azubis fragt er gern, ob ein Big Mac-Menü mehr wert ist als jemand, der einen vor Gericht vertritt, wenn man Probleme hat. „Blöd ist immer, wenn jemand sagt: ,Die Tariferhöhung kriege ich doch sowieso!‘ Das ist der Punkt, an dem du Mitgliedsbeiträge nicht mehr diskutieren musst. Und das ist nicht nur bei Azubis so. Da gibt es erwachsene Menschen, ältere, die schon lange im Betrieb sind und die Leistungen der IG BCE gut gebrauchen können. Und dann kommt man zum Beitrag und erwachsene Menschen fangen an zu feilschen, wie auf dem Basar. Und das sind oft Leute, die E12 bekommen [Entgeltgruppe 12 im Bundesentgelttarifvertrag der chemischen Industrie]. (Es wird so viel Geld ausgegeben für Tinnef, für Tand, aber der Mitgliedsbeitrag ist bei vielen nicht drin. Auch, weil das was sie bekommen nicht greifbar ist, keine Sache die man kauft, mitnimmt und besitzt. Nur das bedeutet nicht, dass sie nichts wert ist.“ ) [Vorschlag zum Kürzen]
Für Matthias als Funktionär ist die IG BCE logischerweise schwer wegzudenken. Ohne sie könnte er nicht tun, was ihm am Herzen liegt, nämlich: „Ein bisschen was in dem Land zu verändern, auch wenn es nur an kleinen Ecken ist. Und das ohne in eine Partei gehen zu müssen. Das ist für mich persönlich nicht individuell genug. Bei der Gewerkschaft kann ich mir nach Neigung und Interesse meine „Spielwiesen“ suchen, an denen ich arbeiten möchte und wo ich mich etablieren kann. Das gilt für jeden, der sich beteiligen möchte.“ Matthias beschäftigt sich derzeit vor allem mit den Themen Digitalisierung der Industrie und gute Arbeit in Zukunft (Industrie 4.0 und Arbeit 4.0).
Aber was ist mit Menschen, die das nüchterner sehen und gar kein Interesse daran haben, selbst Politik zu machen? Matthias‘ Antwort: „Total nüchtern, rein netto unter’m Strich ist die Mitgliedschaft die einzige Möglichkeit, dem Chef auf Augenhöhe zu begegnen. Die absolut untere Grenze dafür liegt bei 50 % Organisationsgrad im Betrieb. Fällt man darunter, steht alles prinzipiell in Frage, was man schon hat an guten Arbeitsbedingungen. Es geht immer nur darum: wie viel Zeit verbringe ich für wie viel Geld auf welche Weise am Arbeitsplatz? Es ist immer nur das.“ Das Beitragssystem, so wie es ist, also 1 % vom Bruttoentgelt, mit Ausnahme von Student/-innen, Arbeitslosen und Rentner/-innen, ist für Matthias die gerechteste Art der Finanzierung.
Ein/-e Chemikant/-in, eingruppiert in Entgeltgruppe 6, erhielt 2015 nach Tarifvertrag ein Grundentgelt von 2940 € brutto pro Monat. Der Beitrag für die IG BCE betrug also 29,40 €. Die Entgelterhöhung der Tarifrunde brachte 2,8 %. Das ist ein Plus von rund 82 €.

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