URL dieser Seite: https://rhein-main.igbce.de/-/Zic

21.08.2020

Endlich Betriebsrat!

Premiere bei Ruco

Bei der Firma Ruco Druckfarben ist zum ersten Mal ein Betriebsrat gegründet worden. Der Lockdown im Frühjahr machte die Sache nicht einfacher, doch die Eppsteiner haben es geschafft.

Jahrzehnte lang waberte ein Gerücht durch die Flure der Firma Ruco Druckfarben in Eppstein. Man dürfe das Wort „Betriebsrat“ nicht erwähnen; wer es ausspreche, könne sofort gehen. In diesem Jahr ist dieses Wort schon sehr oft gefallen, Kündigungen gab es nicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Druckfarben-Herstellers hat sich dort ein Betriebsrat gegründet. „Wir haben einen neuen Geschäftsführer, ein junger, dynamischer Mann. Er steht uns positiv gegenüber“, sagt der Vorsitzende des siebenköpfigen Gremiums, Frank Hofmann.

Das frühere Familienunternehmen hat bewegte Zeiten hinter und vielleicht auch vor sich. Der ehemalige Eigentümer hatte keinen Nachfolger für seine Firma; schon lange wurde gemutmaßt, er werde verkaufen. Ende vergangenen Jahres wurde aus den Mutmaßungen Realität: Kurz vor Weihnachten erhielten die 140 Mitarbeiter die entsprechende Mitteilung,die Ruco Druckfarben werde an die INX International- nach eigenen Angaben die drittgrößte Herstellerin von Druckfarben in Nordamerika - übergehen.

„Dann haben wir zügig gehandelt, um rasch einen Betriebsrat auf die Beine zu stellen“, erinnert sich Hofmann. Doch wie gründet man überhaupt einen Betriebsrat? Darauf wusste erstmal keiner eine Antwort und so wandten sich die engagierten Ruco-Mitarbeiter an die IG BCE. Gemeinsam fuhren sie ins Gewerkschaftsbüro nach Wiesbaden und erfuhren dort alles, was sie wissen mussten. Dazu gehörte, dass sie einen Wahlvorstand wählen und mindestens sieben Menschen für den Betriebsrat finden müssen.„Das war anfangs ein Problem“, so Hofmann. „Doch im Februar sind wir richtig durchgestartet.“

IG BCE Rhein-Main

Frank Hofmann, BR bei Ruco Endlich BR! Frank Hofmann

Im März kam der coronabedingte Lockdown, was die Sache nicht einfacher machte. Doch die Eppsteiner schafften es trotzdem. Mit einer sagenhaften Wahlbeteiligung von fast 90 Prozent bestimmten sie ihren ersten Betriebsrat. Zum 1. Juli wurde das Unternehmen an die INX verkauft. Im Produktionsalltag der Firma hat sich seitdem zwar nichts verändert, doch die Unsicherheit in der Belegschaft ist groß. Frank Hofmann moniert: „Wir bekommen sehr wenige Informationen von der Geschäftsleitung.“ Das soll sich ändern und auch ansonsten geht den Betriebsräten die Arbeit nicht aus. Sie müssen sich einarbeiten, wollen Fortbildungsseminare besuchen und werden mit dem Arbeitgeber etliche Betriebsvereinbarungen diskutieren. „Wir fangen bei Null an“, so der Vorsitzende.