IG BCE fordert für 40.000 Papier-Beschäftigte eine Anhebung der Vergütungen

Tarifverhandlungen beginnen

Eine deutliche Anhebung der Vergütungen und eine Corona-Sonderzahlung, die auch für freie Tage oder für die tarifliche Altersvorsorge genutzt werden kann: Mit diesen Forderungen geht die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in die Tarifverhandlung für die bundesweit 40.000 Beschäftigten in der Papierbranche. Das hat die Bundestarifkommission heute in Frankfurt beschlossen.

Für IG-BCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn ist klar: „Weltuntergangsszenarien werden wir in der Tarifrunde keinen Raum geben. Wir haben berechtigte Forderungen.“ Viele Kolleginnen und Kollegen hätten in der Hochphase der Corona-Krise exorbitante Leistungen vollbracht. „Das schätzen wir mit dieser Forderung wert“, unterstreicht Weißenborn und ergänzt: „Die Arbeitgeber müssen sich klar machen, dass es nur mit ordentlichen Tarifen und guter Arbeit möglich ist, die Köpfe der Zukunft zu gewinnen und zu halten.“

Lupo/pixelio

Tarifverhandlungen in der Papierindustrie starten im September Ab 9. September beginnen die Verhandlungen in Ulm

Deshalb fordert die IG BCE konkret, die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um einen Prozentsatz anzuheben, der einer reale Einkommenserhöhung entspricht. Außerdem will sie eine Sonderzahlung in gleicher Höhe für alle Beschäftigten für die Leistungen in der Corona-Pandemie durchsetzen. Diese Sonderzahlung soll entweder ausgezahlt, für die tarifliche Altersvorsorge genutzt oder in freie Tage umgewandelt werden können. Die Laufzeit soll sich am Gesamtergebnis ausrichten.

Zudem sollen die Verhandlungen zum Entgeltrahmentarifvertrag fortgeführt und abgeschlossen werden. Der Entgeltrahmentarifvertrag soll die bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge ablösen, um eine Gleichstellung zwischen qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen.

Die Voraussetzungen in der Papier erzeugenden Industrie sind sehr unterschiedlich. In einigen Unternehmen läuft es sehr gut, andere sind seit Monaten in Kurzarbeit: Während die Toilettenpapierhersteller zum Beispiel durch die coronabedingten Hamsterkäufe bisher ein außergewöhnlich gutes Jahr hatten, hatten die Hersteller von Foto-Spezialpapier zu kämpfen, weil in diesem Jahr weniger Menschen reisen und dementsprechend seltener ihre Urlaubserinnerungen auf Fotopapier ausdrucken.

Die Branche ist sehr divers: Rund 3000 verschiedene Papiersorten gibt es, unterteilt in vier Bereiche. Mehr als die Hälfte aller produzierten Papiere sind für Verpackungen. Grafische Papiere machen rund 32 Prozent aus, ihr Anteil wird aber wegen der sinkenden Nachfrage nach Zeitungen und Magazine immer geringer. Hygienepapiere, also etwa Toilettenpapier und Küchenrolle, haben einen Anteil von sieben Prozent an der Gesamtproduktion. Zu technischen und Spezialpapieren (sechs Prozent an Papierproduktion) zählen zum Beispiel Papiere für Etiketten, Filter, Teebeutel oder Zigaretten.

Die erste Verhandlung findet am 9. September in Ulm statt.

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