Interview mit BR-Vorsitzendem Oscar Schulz

Skytanking-Betriebsrat mit übler Prognose

Die Flugbranche ist von der Corona-Pandemie besonders stark getroffen und damit auch die Firmen, die für das Betanken der Flieger zuständig sind. Oscar Schulz, Betriebsrats-Vorsitzender der Skytanking am Frankfurter Flughafen, sieht die Zukunft düster. Seine Prognose: „Das Niveau vor Corona werden wir nicht mehr erreichen.“

 

Frankfurt Airport

Flughafen Frankfurt am Main Deutschlands größter Airport hat Probleme

Wie ist denn momentan die Lage bei der Skytanking in Frankfurt?

Oscar Schulz: „Im Winter, als alles noch normal gelaufen ist, hatten wir jeden Tag 1100 Betankungen. Jetzt sind es täglich höchstens 36! Das zeigt, wie heftig uns das alles trifft. Seit Ende März sind wir auf Kurzarbeit, das bedeutet 10 anstatt der üblichen 40 Stunden pro Woche. Es ist eben einfach keine Arbeit da. Unser Arbeitgeber stockt das Kurzarbeitergeld auf 83 Prozent des Nettolohns auf. Wir haben hierfür eine entsprechende Betriebsvereinbarung, die noch aus der Finanzkrise 2009 stammt, wieder in Kraft gesetzt.“

 

Befürchten Sie Kündigungen?

„In unserer Firma arbeiten etwa 120 Menschen, davon haben 20 Zeitverträge. Man wird versuchen, diese Leute so lange wie möglich zu halten. Aber die Verträge, die nun im Sommer auslaufen, werden wohl nicht verlängert. Ansonsten sind Kündigungen derzeit kein Thema. Wegen Corona hat die Firma allerdings ihre Investitionen gestoppt. Wir sollten eigentlich dieses Jahr neun neue Betankungsfahrzeuge bekommen, aber das liegt erstmal auf Eis. Ich bin gespannt, was noch kommt. Das Problem ist ja auch: Selbst wenn es in Deutschland Lockerungen gibt und die Leute wieder fliegen dürften – wohin sollten sie fliegen?“

 

Glauben Sie, dass es dieses Jahr noch besser wird?

 

„Anfangs hatten wir gedacht, es wird Ende Mai wieder besser, aber das sieht jetzt nicht mehr so aus. Vor Herbst wird es wohl nichts. Wir hoffen, dass wir bis Ende dieses Jahres wenigstens auf 50 Prozent unserer üblichen Betankungen kommen werden. Das Problem ist auch, dass man am Flughafen nicht einfach so einen Schalter umlegen kann und dann läuft es wieder. Etliche Flugzeuge sind stillgelegt und entsprechend abgedeckt;  damit sich im Tank keine Bakterien bilden, wurde das Kerosin mit einer Spezialmischung versehen. Vor dem Einsatz muss das abgepumpt werden und frischer Sprit muss rein. Es dauert Monate, bis alle Flieger wieder einsatzfähig sein werden.“

 

Und wie stehen die Hoffnungen für das nächste Jahr?

 

„Für das Jahr 2021 schätzen wir, dass die Zahl der Betankungen wieder auf 80 Prozent steigen wird. Aber das Niveau vor der Krise werden  wir nicht mehr erreichen, auch nicht später. Ganz einfach, weil Fluggesellschaften kaputt gehen werden. Die sind dann nicht mehr da.“

 

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